Zurück unter Wasser – Mein erster Tauchgang nach einem schweren Arbeitsunfall

Fast elf Monate lang war ich nicht mehr tauchen.

Für viele Menschen ist Tauchen einfach ein Hobby. Für mich ist es deutlich mehr. Es ist der Moment, in dem alles andere unwichtig wird. Unter Wasser zählt nur das Hier und Jetzt: die Umgebung, die Tiere, die Technik, das Team und die eigene Ruhe.

Doch nach meinem Arbeitsunfall wusste ich lange nicht, ob ich überhaupt wieder zurückkehren würde.

Bei dem Unfall verlor ich durch eine schwere Verletzung zwei Drittel meines kleinen Fingers. Als Handwerker sind meine Hände mein wichtigstes Werkzeug. Dieses Werkzeug kann man nicht kaufen – man trägt es immer bei sich. Dazu kommen der eigene Kopf, die Erfahrung und das Wissen, wie man seine Arbeit ausführt.

Wenn dieses Werkzeug plötzlich nicht mehr so funktioniert wie vorher, verändert das mehr als nur die körperliche Leistungsfähigkeit. Es verändert das Vertrauen in den eigenen Körper.

Viele Menschen betrachten eine solche Verletzung nur aus medizinischer Sicht. Aber für jemanden, der sein Leben lang mit seinen Händen gearbeitet hat, bedeutet sie eine komplette Umstellung. Man muss Bewegungen neu lernen, Abläufe verändern und herausfinden, was noch möglich ist.

Die Angst vor der Rückkehr

Nach der Verletzung hatte ich zunächst überhaupt nicht das Gefühl, dass mir das Tauchen fehlt.

Mein kompletter Fokus lag auf Heilung und Rehabilitation. Ich musste mich mit meinem neuen Alltag auseinandersetzen und damit, was die Verletzung für meine Zukunft bedeutet.

Das Merkwürdige war: Ich hatte dieses Gefühl fürs Tauchen verloren.

Dieses innere Verlangen, wieder ins Wasser zu gehen, war plötzlich wie ausgelöscht. Es war nicht nur eine Pause vom Tauchen – es war zeitweise einfach kein Thema mehr für mich.

Eine Zeit lang war es mir sogar egal. Ich dachte nicht darüber nach, wann ich wieder tauchen würde oder ob ich überhaupt wieder tauchen würde.

Nach dem Unfall war ich mental in ein Loch gefallen. Und irgendwann kam tatsächlich der Gedanke auf, dass ich vielleicht nie wieder ins Wasser gehen werde.

Heute bin ich sehr froh, dass es nicht so gekommen ist.

Etwa zweieinhalb bis drei Monate vor meiner Reise nach Okinawa änderte sich etwas. Irgendwann kam dieser Gedanke zurück:

Ich muss zurück ins Wasser.

Ich glaube, ein Gespräch mit Richard hat dabei eine große Rolle gespielt. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, ob es genau dieser Moment war, aber ich glaube schon.

Richard war früher selbst Bootsbauer und hatte ebenfalls einen schweren Unfall mit seiner rechten Hand. Auch er lebt mit einem Handicap.

Vielleicht war genau das der entscheidende Unterschied. Er musste mir nicht erklären, was eine solche Verletzung bedeutet – er wusste es bereits aus eigener Erfahrung.

Es gibt Dinge, die kann nur jemand wirklich verstehen, der selbst einmal mit seinen Händen gearbeitet hat und plötzlich mit einer Einschränkung umgehen muss.

Ich bin sehr froh, diesen Weg mit Richard gegangen zu sein. Er kennt dieses Gefühl, diesen Kampf und diese Unsicherheit aus eigener Erfahrung.

Der erste Tauchgang nach fast einem Jahr Pause

Als ich auf Okinawa endlich wieder meine Ausrüstung vorbereitete, war ich ungewohnt ruhig und konzentriert.

Normalerweise bin ich beim Aufbau meiner Ausrüstung eher derjenige, der viel redet. Ich habe mein Equipment wahrscheinlich schon weit über 2.000 Mal aufgebaut. Eigentlich ist es ein automatischer Ablauf.

Doch diesmal war alles anders.

Ich habe jeden Handgriff bewusst ausgeführt. Ich habe genau darauf geachtet:

Wo entstehen Schmerzen?
Welche Bewegung funktioniert problemlos?
Was muss ich verändern?

Ich habe mir praktisch einen neuen Ablauf erstellt, wie ich meine Ausrüstung aufbauen kann – ohne unnötige Belastung und ohne Hilfe von anderen zu benötigen.

Schmerzen habe ich durch die Verletzung ohnehin dauerhaft. Aber es musste nicht mehr werden als notwendig.

Der Moment der Wahrheit

Vor dem ersten Tauchgang war ich nervös.

Nicht wegen des Tauchens selbst. Das beherrsche ich.

Die Frage war vielmehr:

Wie reagiert mein Körper?
Kommt zusätzlicher Schmerz?
Kann ich meine Ausrüstung bedienen?
Wie fühlt sich mein Finger unter Belastung an?

Unter Wasser stellte ich dann fest: Es funktionierte.

Es kam kein zusätzlicher Schmerz dazu. Es war genau der Schmerz, den ich auch an der Oberfläche kenne.

Und dann passierte etwas, das ich beim Tauchen immer geliebt habe:

Meine Gedanken wurden ruhig.

Unter Wasser gibt es keinen Unfall, keine Sorgen und keine ständigen Überlegungen. Es gibt nur den Moment.

Man freut sich über einen guten Tauchgang, über ein funktionierendes Team, über einen guten Guide und natürlich über die Bilder, die man mit nach Hause bringt.

Alles ist positiv.

Bis auf die Tarierung – die sollte natürlich möglichst neutral sein. 😉

Die beste Therapie

Nach dem Auftauchen habe ich Richards Blick gesehen.

Er hat nichts gefragt. Er musste auch nichts fragen.

Ich glaube, er hat einfach gesehen, dass alles gut war. Dass ich entspannt war. Dass ich wieder angekommen bin.

Und genau so habe ich mich auch gefühlt.

Nach diesem Tauchgang war ich wieder deutlich gesprächiger. Die Anspannung war weg. Ich hatte etwas zurückbekommen, von dem ich gar nicht wusste, wie sehr es mir gefehlt hatte.

Für mich war dieser Tauchgang eine Therapie.

Eine Therapie, die schneller und effektiver funktioniert hat als viele Gespräche.

Natürlich sind medizinische und psychologische Unterstützung wichtig. Aber manchmal braucht es auch diesen Moment, in dem man sich selbst wieder beweist:

Ich kann das noch.

Zurück im Wasser

Dieser erste Tauchgang nach meiner Verletzung war für mich nicht einfach nur ein weiterer Dive.

Es war der Beweis, dass ich trotz dieser Veränderung wieder zurückkehren kann.

Die Verletzung wird ein Teil meiner Geschichte bleiben. Aber sie bestimmt nicht mehr, was ich machen kann.

Und genau deshalb war Okinawa für mich mehr als nur eine Tauchreise.

Es war die Rückkehr zu etwas, das ein wichtiger Teil meines Lebens ist.

Back Underwater – My First Dive After a Serious Work Accident

For almost eleven months, I had not been diving.

For many people, diving is simply a hobby. For me, it is much more than that. It is the moment when everything else disappears. Underwater, only the present matters: the environment, the animals, the equipment, the team and the calmness within yourself.

After my work accident, however, I did not know if I would ever be able to return.

In the accident, I lost two thirds of my little finger due to a serious hand injury. As a craftsman, my hands are my most important tools. These are tools you cannot buy – you carry them with you every day. Along with your hands, you have your mind, your experience and your knowledge of how to do your work.

When this tool suddenly no longer works the way it used to, the impact is much bigger than just a physical limitation. It affects your confidence in your own body.

Many people see an injury like this only from a medical perspective. But for someone who has worked with their hands all their life, it means a complete change. You have to relearn movements, adapt your routines and find out what is still possible.

The fear of returning

After the injury, I initially did not feel that I was missing diving.

My entire focus was on healing and rehabilitation. I had to deal with my new everyday life and what this injury meant for my future.

The strange thing was that I had lost my connection to diving.

That inner feeling of wanting to get back underwater was simply gone. It was not just a break from diving – for a while, diving was not even part of my thoughts anymore.

At some point, I honestly did not care. I was not thinking about when I would dive again or whether I would ever return to the water.

After the accident, I had fallen into a mental hole. There were moments when I truly believed that maybe I would never dive again.

Today, I am very grateful that this did not happen.

Around two and a half to three months before my trip to Okinawa, something changed. Somehow, the thought came back:

I have to get back underwater.

I believe a conversation with Richard played an important role. I am not completely sure if it was exactly that moment, but I think it was.

Richard used to be a boat builder himself and also had a serious accident involving his right hand. He also lives with a physical disability.

Maybe that was the reason why our conversation was different. He did not need me to explain what an injury like this means – he already knew it from his own experience.

There are things only someone can truly understand who has worked with their hands and suddenly has to deal with a permanent limitation.

I am very grateful that I walked this path with Richard. He understands the feeling, the struggle and the uncertainty from his own experience.

The first dive after almost a year away

When I finally prepared my equipment again in Okinawa, I was unusually quiet and focused.

Normally, I am the person who talks a lot while setting up my gear. I have probably assembled my equipment more than 2,000 times. Usually, it is an automatic process.

But this time was different.

I performed every step consciously. I paid close attention:

Where does it hurt?
Which movement works without problems?
What do I need to change?

I basically created a new routine for setting up my equipment – one that allowed me to do everything independently without unnecessary strain.

I have permanent pain in my finger because of the injury. But there was no reason to create additional pain through wrong movements.

The moment of truth

Before the first dive, I was nervous.

Not because of the diving itself. I know how to dive.

The questions were different:

How will my body react?
Will additional pain appear?
Can I handle my equipment?
How will my finger feel under pressure and during the dive?

Underwater, I realized: it worked.

There was no additional pain. It was exactly the same level of pain I already knew from being on the surface.

And then something happened that I have always loved about diving:

My thoughts became quiet.

Underwater, there is no accident, no worries and no constant overthinking. There is only the moment.

You enjoy a good dive, a well-functioning team, a great guide and, of course, the pictures you bring home.

Everything is positive.

Except the buoyancy – that should always remain neutral.

The best therapy

After surfacing, I saw Richard’s expression.

He did not ask anything. He did not need to.

I think he simply saw that everything was okay. That I was relaxed. That I had found my way back.

And that was exactly how I felt.

After that dive, I was much more talkative again. The tension was gone. I had regained something that I had not realized I had missed so much.

For me, that dive was therapy.

A therapy that worked faster and more effectively than many conversations.

Of course, medical treatment and psychological support are important. But sometimes you also need that moment where you prove to yourself:

I can still do this.

Back in the water

That first dive after my injury was not just another dive.

It was proof that I could return despite everything that had changed.

The injury will always be part of my story. But it does not define what I am capable of doing.

And that is why Okinawa was more than just a diving trip for me.

It was my return to something that has always been an important part of my life.

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